Sonntag, 7. Februar 2016

How To: Aussaat, Keimung, Anzucht, Pikieren

Mal ein kleines Tutorial bzw. How-To zum Thema Aussaat, Anzucht und Pikieren.

Dieses How-To soll als Empfehlung bzw. Anregung gesehen werden, die auf meinen Erfahrungen beruht. Sicher macht das jeder etwas anders, bzw. auf seine Weise. Ich habe mit meinen Methoden jedenfalls immer gute Ergebnisse erzielt. Meinungen, Tipps und Hinweise können gerne in den Kommentaren abgegeben werden.

Aussaat:


Als erstes benötigt man natürlich Saatgut, welches man sich entweder durch Tausch in Chiliforen / Facebookgruppen oder auf einschlägigen Internetseiten besorgen kann. Besonders erwähnenswert sind hier Semillas, der Pepperworld Hot Shop und der Onlineshop von Chilifood.

Empfohlenes Equipment:
  • Eiswürfelbehälter
  • Pinzette
  • Pikierset
  • Spritze


Das Saatgut sollte man zunächst für ca. 24 Stunden einweichen. Hier reicht eigentlich einfaches Wasser aus. Manche schwören auf Kamillentee (natürlich erst abgekühlt), weil er angeblich keimtötende Wirkung hat. Halte davon mittlerweile nicht mehr allzuviel, da so ein Tee nach ein paar Stunden bereits selbst zum Keimherd wird und dann wohl eher einen gegenteiligen Effekt hat. Ich persönlich nutze Salpeter (KNO3), welches die Samenhülle besser aufweicht und auch die Keimlinge etwas kräftiger macht.





Gibt es entweder in der Apotheke, oder bestellt man einfach bei Semillas mit. Auf 100ml Wasser gibt man 1g Salpeter.

Als Bewässerungsstation nutze ich einfache Eiswürfelbehälter und führe eine Liste, damit man die Sorten auch weiterhin zuordnen kann. Die Liste ist mit Excel verfasst und kann gerne über diesen Link heruntergeladen werden: https://www.dropbox.com/s/aucbbwpgtgxzhvl/Eisw%C3%BCrfel.xlsx?dl=0



Ggf. muss sie dann eben für die verwendeten Behälter angepasst werden. Die Samen verteilen und mit der Spritze die salpeterlösung zufügen. Samen komplett bedecken und nach Möglichkeit untertauchen.

Nach dem Einweichen gibt es zwei verschiedene Keimmethoden, die beide gut funktionieren.

Man spült die Samen mit klarem Wasser ab und legt sie auf ein feuchtes Küchenkrepp. Dieses plaziert man in einer kleinen Schale oder auf einem Teller und spannt etwas Klarsichtfolie drüber. So hat man sich ein kleines Gewächshaus gebastelt und hält die Feuchtigkeit drin. Anschließend warm stellen, ca. 25-30°C.
Der Vorteil dieser Methode ist, dass man sofort sieht wenn gekeimt ist und man nur gekeimte Saat in die Erde steckt. Für die Ungeduldigen vielleicht die bessere Variante.
Man kann die Samen natürlich auch direkt in die Erde legen und diesen Schritt überspringen.




Um die Samen in die Erde zu bringen, empfiehlt sich ein sogenanntes Pikierset, welches für wenig Geld im Fachhandel angeboten wird.


Als Erde nutze ich torffreie Anzuchterde von Neudorff, die sehr locker ist und mit der ich gute Erfahrungen gemacht habe. Anzuchterde hat weniger Nährstoffe als Blumenerde, was einerseits die zarten ersten Wurzeln des Sämlings nicht durch zuviel Dünger "verbrennt" und gleichzeitig die Wurzelbildung der Pflanze anregt, die sich ja auf Nährstoffsuche macht. So ein Beutel reicht mir locker 2-3 Jahre, was die Erde bei guter Lagerung auch locker mitmacht. Zur Anzucht nutze ich gerne die stabilen Töpfe von Goetzpflanzenzubehör.de in Größe 6. Diese sind wesentlich fester als die "Container", die beim Draufdrücken sofort brechen.




Die eckigen Töpfchen haben außerdem den großen Vorteil, dass sie platzsparend aufgestellt und jahrelang wiederverwendet werden können. Von Quelltabs (auch als Jiffy bekannt), halte ich gar nichts. Die Feuchtigkeit hält sich bei den Tabs ewig, wodurch Schimmel fast unvermeidlich ist.


Man bohrt nun also mit dem kegelförmigen Pikierstab ca. 1-2cm tiefe Löcher in die Erde und legt je ein Samenkorn hinein. Wer sich das Pikieren sparen will, der kann natürlich auch nur ein Korn pro Töpfchen ausbringen.


 Anschließend leicht mit Erde bedecken und angießen. Generell gilt: Erde nie fest drücken, immer schön locker und luftig lassen. Chilis mögen fluffiges Substrat, die Wurzeln haben es leichter sich auszubreiten.



Angegossen wird mit Algan Wachstumshilfe von Neudorff. Das Braunalgenextrakt hilft dem Keimling mit Spurenelementen und Vitaminen, darf aber nicht mit einem richtigen Dünger verglichen werden. Ist nur zur Unterstützung und Kräftigung der kleinen Pflanze gedacht. Sehr wichtig sind natürlich auch Löcher im Boden des Behältnisses, damit überschüssiges Wasser abfließen kann. Chilis mögen keine Staunässe, deshalb niemals in einer Pfütze stehen lassen!





Keimung:


Entscheidend für eine optimale Keimung ist eine Temperatur zwischen 25-30°C und eine relativ hohe Luftfeuchte. Um das zu erreichen, empfiehlt sich folgendes Equipment:
Von den oben genannten Töpfchen in Größe 6 bekommt man genau 28 Stück ins Mini-GWH.



Damit man den Überblick behält, habe ich mir auch dafür eine Excelvorlage gebastelt. Unter diesem Link gerne abrufbar: https://www.dropbox.com/s/14gyh2t2422ks9z/Anzuchtkasten.xlsx?dl=0

Anschließend kommt der Deckel aufs GWH und das ganze Ding auf die Heizmatte.


Die Temperatur wird mit einem günstigen Außenthermometer gemessen und ggfs. mit einer Zeitschaltuhr geregelt.


Jetzt heißt es geduldig abwarten. Manche sind schnell und zeigen sich bereits nach wenigen Tagen, andere keimen auch mal gerne erst nach 4-6 Wochen. Hier muss man der Natur nun einfach etwas Zeit geben.


Pikieren:


Sind nun mehrere Pflänzchen in einem Topf gekeimt, wird vereinzelt. Sobald sich das erste, richtige Blattpaar entwickelt hat, ist es Zeit dafür.
Man sieht im Bild links auch bereits, dass sich Wurzeln unten aus dem Behälter schieben. Ein weiterer Indikator dafür, dass man umtopfen sollte.

Generell gilt: Je früher, desto besser. Die Pflanze verkraftet das Umtopfen ohne weiteres auch mit Keimblättern. Zur Sicherheit warte ich aber auf ein paar ordentliche Wurzeln und eine kräftige, gefestigte Pflanze mit richtigen Blättern.












Die Sämlinge werden mit dem zweiten Pikierstab aus dem Set gelockert und entfernt. Dazu kann man auch das Töpfchen umdrehen und leicht von allen Seiten drücken. Die Erde lockert und löst sich mitsamt dem Wurzelgeflecht dann aus.


Man muss hier nicht extrem vorsichtig sein, ein par verletzte Wurzeln regen die Pflanze nur zu neuem Wachstum an.


Der nächste Topf stammt bei mir auch aus dem Hause Goetz. Diesmal die Größe 11. Genau wie bei der Aussaat wird hier wieder locker mit Erde befüllt, diesmal aber schon mit richtig vorgedüngter Blumenerde. Chilis sind Starkzehrer und können mit der Düngerladung durchaus umgehen.


Als Substrat kommt eine Mischung aus TKS2 (Torfkultursubstrat) und Perlite zum Einsatz. Letzteres sorgt für lockere Erde und fungiert als Wasserspeicher (ähnlich Seramis). Achtung: Es gibt zwei Varianten am Markt, einmal Perligran für den Gartenbau und einmal Isoself für den Hausbau. Isoself kann durchaus mit Schadstoffen belastet sein und hat in der Erde nichts zu suchen!






In den locker befüllten Topf bohrt man dann mit dem Pikierstab wieder ein Loch für die Pflanze und setzt diese vorsichtig ein. Leicht andrücken und wieder mit Algan Wachstumshilfe angießen.




Den Sämling dabei ruhig etwas tiefer eingraben, bis knapp unter die Blätter. Das schafft Stabilität und am Stengel bilden sich neue Wurzeln aus.



http://www.chili-shop24.de/?sPartner=he72gskjs8
https://www.adcell.de/promotion/click/promoId/112565/slotId/67932?param0=https://www.pepperworldhotshop.deWer jetzt auf den Geschmack gekommen ist und selbst loslegen möchte; Material zur Aussaat gibt es bei Chilifood oder Pepperworld zu günstigen Preisen.






Kommentare:

  1. Boa - was für ein ausführlicher Post! Und das auf einen Sonntag ;)
    Da ich so gar keinen grünen Daumen habe, kommt mir das ganz recht. Vielleicht versuche ich es doch nochmal ...

    Liebst
    Justine

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    1. Danke dir. Probier doch einfach mal, Saatgut hab ich dir ja schon geschickt ;)

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